Unsere Projekte

 

ZEITLOSEN

die menschen freuten sich
damals
als es die zeit noch gab
die sonne begleitete den tag
blumen kleideten sich festlich
der wind grüßte von weitem
tiere und menschen
begegneten einander
mond und sterne
beschützten die nacht
alle reichten einander
die hände
es war schön
es war zu schön
und so schlich sich irgendwann
unzufriedenheit
bei den menschen ein
das miteinander bröckelte
kälte griff um sich
achtlosigkeit kam auf
gefühle gingen verloren
es zählte nur mehr das
ich
und dann fragten
die kinder auch noch
hast du heute zeit für mich
ich möchte gern bei dir sein
ich möchte gern in dir sein
ich möchte gern ein teil von dir sein
doch die antworten der menschen
lauteten immer und überall gleich
nein
ich habe keine zeit für dich
die kinder verstanden das nicht
sie irrten herum und weinten
und so dauerte es nicht allzulange
da gingen die kinder fort
in langen zügen gingen sie
unbeachtet und ungeachtet
ohne zu weinen
denn auch die letzte träne
war schon vertrocknet
und es war egal
wohin die kinder gingen
hauptsache sie waren nicht mehr da
und so gingen sie
ins leere
und fragten sich
ob es da noch eine rückkehr gäbe
denn
die lieder von einst sie klangen nicht mehr
die farben von einst sie verblassten so sehr
die ziele von einst sie zählten nicht mehr
die kinder von einst sie spielten nicht mehr
eigentlich war es eine traurige situation
doch die menschen erkannten sie nicht
sie nahmen die zunehmende kälte
nicht mehr wahr
sie fühlten nicht mehr
nur die kinder fühlten es
etwas seltsames
etwas unerklärliches
etwas beklemmendes
doch sie konnten es
weder orten noch einordnen
so kam der tag
an dem alles anders war
es gab keinen morgen mehr
und keine nacht
auch die sprache und
die farben waren verloren
alles gefühlvolle war verschwunden
und vor allem die zeit
am wegrand weinten die veilchen
die lärche atmete schwer
eine nachtigall suchte traurig ihre lieder
und jetzt erst irrten die menschen
in sich selbst herum
die kinder hatten dies alles beobachtet
aus der ferne
sie waren ja weggezogen
sie liefen nicht zeitlos herum
sie trugen die zeit noch in sich
sie hatten sie lieb gewonnen
sie hatten die zeit erkannt
sie hatten die zeit auch nicht vergeudet
sie brauchten die zeit
und die zeit brauchte sie
denn nur in den kindern existierte sie
und so kamen alle kinder zusammen
noch näher
und sie berieten gemeinsam
was zu tun wäre
die beratungen dauerten nicht lange
da rief ein kind in die runde
ich möchte einen teil
meiner zeit verschenken
wenn alle einverstanden sind
alle waren sie einverstanden
auch die zeit
und so beschlossen die kinder
einen ihrer zeitteile herzuschenken
die einen den blumen und bäumen
die anderen den tieren
und auch den menschen
es dauerte nicht sehr lange
da war der tag zurückgekehrt
und die nacht
da leuchteten die farben wieder
die lieder erklangen in leisen tönen
die sonne wärmte die menschen wieder
die gefühle erwachten von neuem
und dennoch war jetzt alles anders
denn
mit im zeitgeschenk für die menschen
war die bedingung verpackt
sie immer wieder
den kindern zu schenken
und vor allem auch so zu handeln
für dich nehme ich mir zeit
dir schenke ich immer wieder
meine
zeit

 

 
Nach oben Projekte